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Reiseberichte
Belle-Ile-en-mèr - 16.06.2006 [50 km]
Eigentlich wollte ich die Belle Ile bereits zu Beginn meines Bretagne-Urlaubes bereisen. Jedoch spiele das Wetter nicht mit und zum zweiten hätte ich mein Fahrrad ab Port Navalo nicht mitnehmen dürfen. Im nachhinein stellte sich dies als glücklichen Zufall heraus, denn das Wetter an diesem Tag versprach Dauerregen. So kehrte ich einige Tage später aus dem Finistère wieder zurück nach Quiberon. Das Wetter war optimal und der Tour stand nichts mehr im Wege. Ich nehme die erste Autofähre um sieben Uhr. Es ist überraschender weise noch sehr frisch und die Entscheidung, eine winddichte Jacke mitzunehmen erweist sich als richtig.

Le Palais

Vor der Hafendurchfahrt von Le Palais müssen wir einige Minuten warten, denn gerade zu diesem Zeitpunkt verlassen die Segeljachten den Hafen. Das Warten steigert die Spannung, denn ich kann es kaum erwarten zwischen den beiden schmucken Moletürmen hindurch zu fahren. Schon von weitem fällt der Hafen von Le Palais mit seiner Zitadelle und der Befestigungsanlage auf. Die Stadt liegt im geschützten östlichen Teil der Insel. Der dreigeteilte Hafen ist durch zwei lange Molen begrenzt, auf denen sich jeweils ein Leuchtturm befindet. Im direkt dahinter befindlichen Vorhafen ist der Fähranleger. Im dahinterliegenden Mittelhafen liegen einige Fischerboote und der Yachthafen ist durch eine Schleuse vom Mittelhafen getrennt. Das kleine Städtchen besticht durch seine bunten Hausfassaden. In den engen Gassen findet man kleine Bars, Boulangerien und Restaurants.

Le Palais

Eine enge Strasse führt steil hinauf auf die Insel und kürzester Zeit hat man das quirlige Leben der Stadt hinter sich gelassen und ist ganz für sich alleine. Nachdem ich die Fähre verlassen habe, packt mich jedoch der Ergeiz. Entlang der drei Hafenbecken kämpfe ich mich eine enge und steile Strasse hinauf. Die Tunneldurchfahrt ist zu eng und gefährlich, somit benutze ich den ausgeschilderten Radweg in Richtung Bangor und Locmaria, biege jedoch bei der nächsten Gelegenheit wieder in Richtung Küste ab, um mich auf der kaum befahrenen Küstenstrasse durch kleine verwegene Dörfer vorzuarbeiten.

Plage de Grand Sable

Erstes Ziel ist der Plage des Grandes Sables. Der vielversprechende Name hält jedoch kaum etwas. Es handelt sich um einen langen schmalen Strandstreifen, an dessen Beginn sich eine Surfschule befindet. So wie ich die steile Strasse hinuntergerauscht bin, so muß ich sie am Ende des Strandes wieder hinauf radeln. Überhaupt ist die Strasse auf dieser Seite der Küste sehr hügelig, ein ständiges auf und ab. Der Phare de Kerdonis befindet sich oberhalb der gleichnamigen Pointe de Kerdonis. Die Landschaft wird hier immer karger, die Bäume und Sträucher sind flach und wachsen vom stürmischen Wind nur in eine Richtung. Der Wanderweg ist mit Ginster bewachsen und stellenweise nicht mehr als Wanderweg auszumachen. Wer die Einsamkeit liebt, ist hier im äußersten Südosten bestens aufgehoben. Die Küstestrasse führt mich weiter nach Locmaria, dem Hauptort im südöstlichen Teil der Insel. Das 500 Seelen-Dorf besitzt neben einem Kaufmannsladen und zwei Bars eine sehenswerte Kirche, Notre-Dame de l’Assomption, aus dem 18. Jh.

Goulphar

Um im Zeitplan zu bleiben, verlasse ich die Küstenstrasse und fahre auf der D25, es ist die Hauptverbindung zwischen der südöstlichen und nordöstlichen Spitze der Insel, in Richtung Bangor. Der Ortsname taucht bei jeder Glegenheit auf und so denke ich, dass hier auch etwas Besonderes zu sehen sein muß. Die Strasse ist zum Glück zu dieser Jahreszeit recht wenig befahren. Wenn man etwas mehr Zeit mitbringt, sollte man jedoch auf den vielen kleinen Verbindungsstrassen fahren. Sie sind alle als Radroute als Radweg ausgeschildert und man sieht vermutlich sehr viel mehr, was den Charme der Insel ausmacht. Ich dagegen möchte nur auf dem kürzesten Weg zum nächsten Leuchtturm gelangen, und dieses wäre der Leuchtturm Goulphar. Ich durchquere die drittgrößte Stadt der Insel, Bangor, und stelle fest, dass es hier wirklich einiges zu bestaunen gibt. Der Name der Stadt stammt aus Nord-Wales. Mönche aus Nord-Wales gründeten hier ein Kloster. Ich verlasse die Stadt und durchquere einige kleine Dörfer, bevor ich hinter Kervilahouen zum Leuchtturm abbiege.

Pointe de Poulains

Folgt man der D190, so gelangt man zum Port Goulphar und den Aiguilles de Port Coton, einer Grotte. Vom Aussichtspunkt des Port Goulphar hat man eine atemberaubende Aussicht über den Atlantik und die Küstenlinie der Belle Ile. Zurück auf der D25 fahre ich weiter zur Nordöstlichen Spitze der Insel. Ich passiere einige Dolmen und erreiche schließlich nach weiteren 10 Km die Pointe de Poulains. Das Rad muß ich auf einem Parkplatz stehen lassen und die letzten 200 Meter zu Fuß zurücklegen. Ein großartiger Wanderweg führt mich über eine schmale Landzunge auf die Halbinsel Pointe de Poulains. Zu beiden Seiten erstrecken sich unglaubliche Felsformationen immer wieder gespickt mit kleinen Buchten, die bei Niedrigwasser zum verweilen einladen. Das Tiefblau schimmernde Meer bietet mit dem Ginster- und Farnbewuchs auf der Halbinsel einen farbenfrohen Kontrast.

Sauzon

Über eine kleine Küstenstrasse fahre ich ins 4 km entfernte Sauzon. Der zweitgrößte Hafen der Insel ist zugleich wohl auch der schönste. Entlang des Naturhafens, dessen Einfahrt von diesem schönen Leuchtturm markiert wird, sind die Häuser gebaut, immer wieder reihen sich kleine Bars, Boutiquen und gemütliche Restaurants aneinander. Die hellen Häuser strahlen eine fast mediterane Atmosphäre aus und selbst das Leben mit den Touristen ist eher ruhig und entspannt. Der Name Sauzon stammt übrigens von "Saxons" ab, was soviel wie Sachsen bedeutet. So wurden die aus dem Norden kommenden Piraten von den Bretonen genannt.
Die Saxons landeten an dieser Stelle auf der Insel, und begannen von hier aus ihre Raubzüge über die Insel. Die Häuser des Dorfes sind entlang des Naturhafens gebaut, an dessen Einfahrt sich zwei Molenfeuer und ein Seefeuer befindet. Weiter auf der Küstenstrasse fahrend erreiche ich nach 6 km wieder Le Palais. Ich habe mich zu sehr beeilt, denn ich bekomme noch die Autofähre um 15.00 Uhr und habe sogar noch Zeit mich gemütlich in eine der vielen gemütlichen Bars am Hafen zu setzten.
[nach oben] © 05.09.2006, J. Linge
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